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Blog-Archiv 2019

Künstliche Intelligenz braucht Sozialwissenschaften

OpenAI will Sozialwissenschaftler/-innen einstellen. Man müsse erst den Mensch und seine Interaktionen noch besser verstehen und das könnten eben die Sozialwissenschaften am besten erforschen. Wer wollte dem (vor allem wenn man aus gerade dieser Zunft kommt) schon widersprechen.

Für den Bereich Arbeitswelt scheint mir das trotzdem viel zu kurz gegriffen, denn auch OpenAI interessiert sich für die Interaktion zwischen einzelnen Menschen (und dann wieder mit der KI) – der Blick auf komplexe soziale, technische und arbeitsorganisatorische sowie sich zudem ständig wandelnde Settings würde nochmal ganz andere Komplexitätsdimensionen als Herausforderung in den Blick nehmen.

Die Fragen, zu denen Sozialwissenschaften forschend beitragen sollen sind laut OpenAI:

  • How skilled are people as judges by default?
  • Can we distinguish good judges from bad judges?
  • Does judge ability generalize across domains?
  • Can we train people to be better judges?
  • What questions are people better at answering?
  • Are there ways to restrict debate to make it easier to judge?
  • How can people work together to improve quality?

Man könnte meinen, die menschliche Erfassung der Welt ist ein rein kognitiver Bewertungsprozess. Diese Sichtweise kommt bei OpenAI natürlich auch von ihrem Bemühen – vereinfacht gesagt –, über zusätzliche Dialogfähigkeiten der KI, deren Funktionieren dem Menschen nahezubringen und damit den Mensch im Spiel zu lassen. Ob Kognition und vermeintlich logische Argumentation für komplexe real-world-Probleme reichen, scheint mir aber mehr als fraglich. Die sozialwissenschaftlichen Fragen müssten offener und explorativer ansetzen und das Leibliche des Menschen, die sinnenhafte Nicht-Rationalität menschlicher Intuition und die Eigenlogik komplexer Stofflichkeit mit einbeziehen. Dann wäre der sozialwissenschaftliche Blick in der KI/ML-Forschung mehr als hilfreich.

Zum Text von OpenAI: https://www.doi.org/10.23915/distill.00014

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Warum der Futuromat nicht recht hat

Chemikant – Warum der Futuromat nicht recht hat

Laut Job-Futuromat ist der Beruf des/der Chemikanten/-in zu 100% durch Roboter bzw. die Digitalisierung ersetzbar. Gleichzeitig sucht die Branche händeringend nach Auszubildenden. Aber wer will schon einen Beruf lernen, der angeblich morgen wegfällt?

Die Digitalisierung wird von Unternehmen wo immer es geht ganz sicher auch für Rationalisierung und Arbeitsplatzabbau verwendet. Technik hat immer schon Arbeit vernichtet, durch technischen Wandel entstehen aber auch neue Tätigkeiten und Berufe. Beim Beruf des/der Chemikant/-in aber liegt der Futuromat bzw. die dahinter liegenden Studie zum Substituierungspotenzial von Dengeln und Matthes sicher falsch.

Eine kleine Präsentation stellt die wichtigsten qualitativen und quantitativen Ergebnisse zweier Studien zusammen, die zu diesem Berufsfeld zu ganz anderen Ergebnissen kommt als der Futuromat.

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