Arbeitskraft — Arbeitsvermögen
Das Subjekt ist mehr als seine Arbeitskraft – Arbeitsvermögen als notwendig zentrale Kategorie
Die gesellschaftstheoretische Kritik hat allzu oft das Subjekt reduziert auf seine formalen Aspekte, auf seine Tauschwertseite – also auf die Arbeitskraft. Selbst wenn, wie in den letzten Jahren, das Subjekt “entdeckt” wird, bleibt es meist ein vages Konglomerat all dessen, was jenseits der Warenförmigkeit von Arbeitskraft angesiedelt ist.
Eine klare Analytik und Kritik braucht aber eine Kategorie, die im Subjekt verortet ist und den dialektischen Gegenpart zur Warenförmigkeit der Arbeitskraft darstellt. Das ist das Arbeitsvermögen und es steht für Qualitäten, die sich per se einer Transformation in Arbeitskraft entziehen.
Die Kategorie des Arbeitsvermögens findet sich noch in den Marxschen Frühschriften, verliert sich dann aber. Sowohl Negt und Kluge wie die feministische Kritik entdecken das Arbeitsvermögen neu, lassen es aber fallen und entwickeln es nicht zu einer operationalisierbaren Kategorie weiter. Mit der Zunahme des Immateriellen wird nun die Gebrauchswertseite der Arbeit zum Schlüssel der Analyse und das Arbeitsvermögen zur zentralen Kategorie, um Informatisierungsprozesse auch in ihren qualitativen Auswirkungen auf das Subjekt fassen zu können.
Komprimierte Kernaussagen zum Arbeitsvermögen als Analysekategorie informatisierter Arbeit: Artikel
Zur neuen Bedeutung der dialektischen Methode angesichts des Immateriellen: Vortragstext
Arbeitsvermögen
«Was macht eigentlich das Neue an Arbeit im Teleservice, mit Agententechnologien, mit Avataren aus? Wo liegen die emanzipatorischen Potenziale, wo die Chancen und Gefahren von OpenSource, e-Recruiting, SAP R/3? Dieses Buch zeigt, dass ein genauer empirischer Blick auf die vielfältigen Formen informatisierter Arbeit notwendig ist – und dass dieser wiederum theoretisch fundierte Begriffe und Analysekategorien bedingt. Zunächstgeht es um einen tragfähigen Begriff der informatisierten Arbeit, deren reflexive Dimension in produktiver Auseinandersetzung mit dem Forschungsprogramm der “Reflexiven Moderne” diskutiert wird. Anschließend wird ein theoretisch begründetes Raster für die arbeitssoziologische Analyse entwickelt, das den verschütteten Marxschen Begriff des Arbeitsvermögens zu neuen Ehren bringt – im dialektischen Zusammenspiel mit der Arbeitskraft. Die herausgearbeiteten Kategorien unterzieht die Autorin einem Praxistest an eigenen Forschungsergebnissen: an der Identifizierung neuer Trends in der Informatisierung von Arbeit und an der Einführung von Teleservice in Maschinenbaubetrieben.»
„Arbeitsvermögen. Ein Schlüssel zur Analyse (reflexiver) Informatisierung“
Verlag für Sozialwissenschaften
Broschiert, m. 2 Abb. u. 2 Tab.
346 Seiten (14,8 x 21,0 cm)
Inhaltsverzeichnis
ISBN 3-531-14226-7 |
32,90 EUR
Bestellung auch direkt beim Verlag möglich.
Rezension: Peter Brödner in der Zeitschrift „Arbeit“, Jg. 14, H3, S.250-251 (Auszug)